Wohin mit dem Geld? Schweizer Konto für jeden!

Jan 20th, 2008 | By | Category: Finanzen

Schweizer Konto für JedermannIm Internet lässt sich über Partnerprogramme gutes Geld verdienen, soviel ist klar. Doch wohin mit dem schönen Verdienst? In der Regel muss ein Girokonto angegeben werden, auf das der Umsatz erstmal ausgezahlt wird, bevor der fleißige Webmaster alles versaufen kann. Kein Problem, ein Girokonto hat wohl heutzutage jeder. Doch ob man tatsächlich sein reguläres Konto für seine Internetgeschäfte nutzen sollte, ist eine andere Frage…
Wir erinnern uns: Bankgeheimnis? Da war doch was? Richtig, da hat sich einiges geändert. Ein „Bankgeheimnis“ das diesen Namen auch verdient hätte, gibt es in der EU nämlich nicht mehr.
Verschiedene Behörden, darunter natürlich auch das Finanzamt, haben quasi direkten Zugriff auf alle Kontodaten. Dafür sind nicht mal irgendwelche komplizierten Anträge nötig, der Finanzbeamte ist an seinem Schreibtisch sozusagen nur ein paar Mausklicks entfernt von der Einsicht in Kontostände und Kontobewegungen eines beliebigen EU-Bürgers. Ob das Klaus Meyer aus Köln ist oder Ali Bin-Laden aus Italien, spielt dabei erstmal keine Rolle. So unbürokratisch und einfach kann’s im sonst so komplizierten Deutschland zugehen…
„Na und?“ wird manch einer jetzt sagen? Oder „Ich habe nichts zu verbergen“. Nun ja, also ich habe schon etwas zu verbergen. Nämlich mein Privatleben! Und mein Girokonto gibt viel über mein Privatleben preis, gerade wenn es um Internetgeschäfte geht. Vielleicht mache ich mein Geld ja mit einer Internetseite über Haarige Muschis? Oder ich verdiene mir etwas dazu, indem ich Videos, die mich beim Arschficken zeigen, auf einer Privatamateur-Plattform verkaufe? Muss mein Nachbar, der zufällig beim Finanzamt ist, das unbedingt wissen? Ich finde nicht! Durch die Buchungen auf meinem Konto wäre es ein leichtes alles Mögliche über mich, meine Vorlieben, meine Hobbys und Geschäfte zu erfahren. Ich bin zwar leicht Exhibitionistisch veranlagt, aber das geht mir nun doch etwas zu weit.
Noch größer ist das Problem für diejenigen, die etwas „mehr oder weniger Illegales“ treiben. Zum Beispiel die ganzen Amateure, die im Netz Geld mit ihren privaten Sexvideos verdienen. Soweit zwar eine Privatangelegenheit, bis hierhin aber noch völlig legal. Nur wird der Umsatz auch versteuert? Genau genommen handelt es sich bei dem Video-Verkauf nämlich um Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit. Und da hält der Staat erstmal die Hand auf und will einen ordentlichen Anteil für die Steuerkasse abhaben. Eine hübsche junge Frau hält also ihren Arsch in die Kamera um sich ein Taschengeld zu verdienen und der Staat kassiert mit. So läuft das nun mal in Deutschland… Wer diese Einnahmen also nicht auf der Steuererklärung angibt, macht sich strafbar. So jemand hat sicher ein großes Interesse daran, dass niemand die Buchungen auf seinem Girokonto einsehen kann.
Was tun? Natürlich will ich hier niemandem Tipps zur Steuerhinterziehung geben, aber wer sein Konto aus privaten Gründen gern unter Verschluss hält, der sollte sich vielleicht mal außerhalb von Deutschland umsehen.
Wie gesagt, das neue Bankgeheimnis (welches seinen Namen nicht verdient), gilt grenzübergreifend für die ganze EU. Ein Konto in Österreich nützt also herzlich wenig. Interessanter wird’s da schon in Kuba oder der Schweiz. Die Schweiz ist ja seit jeher bekannt für ihr umfangreiches Bankgeheimnis. Anonyme Nummernkonten gehören zwar der Vergangenheit an, doch auch heute ist es für eine deutsche Behörde nicht ganz so einfach, Infos über ein Schweizer Konto einzuholen. Zumindest ein konkreter Verdacht ist nötig, und eine menge Papierkram fällt außerdem an.
Mit einem Konto in der Schweiz kann man sein Privatleben also weitgehend schützen. Nur wie kommt man an ein Schweizer Konto? Das ist zum Glück kein allzu großes Problem mehr. Verschiedene Internetagenturen, die Schweizer Konten „verkaufen“, wollen einem zwar immer wieder weismachen, man bräuchte Kontakte oder gar einen Wohnsitz in der Schweiz, in Wirklichkeit kann aber heutzutage jeder deutsche Problemlos ein Konto im Internet beantragen. Dies ist zum Beispiel möglich bei der Schweizer Postbank, namens Postfinance. Die Bank schickt ein paar Unterlagen, welche man zusammen mit einer beglaubigten Kopie seines Personalausweises zurücksendet. Die beglaubigte Kopie kriegt man für ca. 10€ beim örtlichen Notar, in der Regel werden auch keine unangenehmen Fragen gestellt. Schon nach wenigen Tagen bekommt man dann die EC-Karte und einen E-Finance Onlinezugang zu seinem Konto, fertig.
Die Gebühren für ein „Gelbes Konto“ bei der Postfinance sind ähnlich wie in Deutschland. Mit ein paar Euro Monatlich plus Buchungsabhängiger Gebühren ist man dabei. Der Einfachheit halber kann man sein Konto auf Wunsch sogar in Euro führen, das Umrechnen in Schweizer Franken entfällt also. Sprachbarieren braucht man in der Schweiz bekanntlich ebenfalls nicht zu befürchten.
Überweisungen kann man mittels Onlinebanking tätigen, das Abheben von Geld ist an jedem Maestro-Geldautomaten möglich. Zu beachten ist allerdings das Tageslimit: Mehr als 400 Euro am Tag spuckt der Automat in Deutschland nicht aus. Für kleine bis mittlere Geschäfte sollte das ja ausreichend sein.
Seine Amateur- oder Webmasterumsätze lässt man sich dann direkt in die Schweiz auszahlen und ist weitgehend auf der sicheren Seite. Natürlich muss man seine steuerpflichtigen Einkünfte trotzdem beim Finanzamt angeben, denn sonst würde man ja Steuern hinterziehen und das tut man nicht. 😉

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11 comments
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  1. Ich habe selber ein Konto bei Postfinance und kann es nur empfehlen!

  2. und ich hoffe Privatamateure hat nicht mit dem deutschen Finanzamt zu tun. Dann müsste das klappen. Kann es Probleme mit der Geldabhebung von deutschen Automaten geben?

  3. Die Postfinance unterstützt leider nur ein paar „Anrainer-Staaten“.

  4. Steuern sparen wird mit einem schweizer Konto auch nicht hinhauen. Das FA ist ja nicht dumm!

  5. Vorsicht: Die „Schweizer Postbank, namens Postfinance“ ist keine Bank im klassischen schweizer Sinne. Bis vor eine paar Jahren wurden die Namen der Konteninhaber sogar in öffentlichen Listen geführt. Das Schweizer Bankgeheimnis gilt grundsätzlich erst einmal nicht für die Postfinance, sondern – wie bei uns in Deutschland – wird vertraglich mit der Post vereinbart.

  6. tag, auch ich habe ein PF Konto, *ABER* der Artikel ist so wie er dasteht FALSCH!

    man bekommt eine gelbe PF Card mit der man __nur in der Schweiz__ Geld abheben kann!
    Für eine eigentlich effektive Card, die EC-Card ist eine teure Sicherheitsleistung notwendig (vierstellig meistens), so dass ich die PF nur für Leute empfehlen würde, die irgendwie in der Nähe der Schweiz wohnen!!

  7. Also ich halte den Artikel wirklich für etwas überzogen. Eine deutsche Bevölkerung von 80 Mio angenommen, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet mein Konto „ausspioniert“ wird?
    Und Steuervorteile bringt es tatsächlich nicht, also ist das ganze eher schwachsinnig. Ein eigenes Webmaster-Konto, um Ordnung schaffen kann man sich auch bei der netbank holen.

  8. „Bis vor eine paar Jahren wurden die Namen der Konteninhaber sogar in öffentlichen Listen geführt.“ Bei der anmeldung kann man wählen ob sie es möchten das ihr konto in öffentlichen listen geführt wird, und wen man nein wählt ist mein konto dan geheim?

  9. Postfinance macht keine Kontoeröffungen per deutscher Post mehr

  10. Die schweizer Postfinance ist nur interessant für Leute denen es stinkt, dass in Germany (fast) jeder Schnösel vom Amt online auf dem Konto herumschnüffeln kann. Um das tun zu „dürfen“, bedarf es nicht mal eines Verdachts auf Steuerhinterziehung. Das geschieht aufgrund von Neugier, Neid oder einfach „zufällig“ 😉
    Daher macht ein Konto ausserhalb der EU schon Sinn!

  11. Es gibt noch Länder mit Bankgeheimnis (für Firmenkonten), aber die Schweiz gehört da nicht mehr zu :-).

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