Web 2.0 Projekte verkaufen

Jul 25th, 2007 | By | Category: Webkonzepte

Du denkst bei eBay lässt sich kein Geld mehr verdienen? Von wegen! Es kommt nur darauf an, was du verkaufst und wie du es anbietest. Vergiss mal deine Briefmarkensammlung und die alten Schuhe deiner Freundin. Wie wäre es mit einem kleinen Web 2.0 Projekt?
Aber was ist eigentlich ein Web 2.0 Projekt? Nun ja, das weiß keiner so genau. Aber in der Artikelbezeichnung wirkt sich diese Formulierung auf jeden Fall sehr positiv aus. :-) Nein, mal im Ernst: Web 2.0 steht im weitesten Sinne für das „Mitmach-Internet“. User können aktiv am Inhalt der Website mitwirken, bekannte Beispiele sind Wikipedia, Flickr oder Youtube. Diverse Foren kann man durchaus auch dazu zählen.
Ok, soweit so gut, und wie wird man damit jetzt reich?
Das geht folgendermaßen:

  1. Super Idee für das Konzept entwickeln! Keine Idee parat? Macht nix, du kannst einfach ein bereits vorhandenes Projekt kopieren. Natürlich muss es ein bisschen anders aussehen, aber die Idee darf durchaus geklaut werden. Idealerweise nimmst du dir ein Vorbild aus den USA, welches in Deutschland noch nicht so bekannt ist.
  2. Ein wenig Werbung machen um die fleißigen 2.0 Mitmach-User anzulocken, die für Content (=Inhalte) auf deiner Seite sorgen sollen
  3. Idealerweise sorgst du dafür, dass viele andere Seiten auf dein Projekt linken müssen (z. B. durch eine Art Webkatalog-Funktion, darf nur nicht so plump rüberkommen). So steigerst du deinen Pagerank, das ist wichtig für die spätere eBay Auktion
  4. Eine Weile Warten…
  5. Das ganze bei eBay rein stellen. Wichtig: In der Überschrift der Artikelbezeichnung muss „Web 2.0“ zu lesen sein, sonst bietet nämlich niemand auf deinen Schrott. Im Text sollten auch Worte wie „innovativ“, „neu“ oder „Pagerank“ vorkommen. „Web 2.0“ darf ruhig öfter betont werden, das Zieht die Bieter nämlich magisch an. Auch wichtig: Im Kleingedruckten beiläufig erwähnen, das es natürlich kein Rückgaberecht gibt.
  6. Popkorn besorgen, entspannt vor den Rechner setzen und zusehen, wie das Höchstgebot nach oben schnellt
  7. Froh sein und das viele Geld ausgeben

Du glaubst nicht, dass dieses Prinzip tatsächlich funktioniert? Es gibt zahlreiche bekannte Beispiele, die das Belegen:
Dukudu.de kam für über 43.000 EUR unter den Hammer. Hintergründe zum Verkauf gibt es im Basic Thinking Blog.
Für texteln.de erzielten die Betreiber rund 11.000 EUR. Und das obwohl die Idee abgekupfert war.
Und erst vor kurzem wurde der (meiner Meinung nach wenig außergewöhnliche) Webkatalog topblogs.de bei eBay vertickt, für immerhin 3.500 EUR.

Allerdings wird diese Goldgräberstimmung nicht ewig anhalten. Bald werden immer mehr Leute merken, dass es sich in den meisten Fällen nicht lohnt, so viel Geld für ein Web 2.0 Projekt auszugeben. Also: Husch, husch bevor es zu spät ist!

Warum du dein schönes Web 2.0 Projekt nicht einfach behalten kannst? Weil sich mit dem betreiben einer solchen Seite nur sehr selten wirklich das große Geld verdienen lässt. Viele Web 2.0 Projekte floppen und haben nach kurzer Zeit keine Besucher mehr. Wenn doch ausreichend Besucher vorhanden sein sollten, so sind es meist solche, die nie auf Werbung klicken und schon gar kein Geld für irgendwas ausgeben wollen. Mit denen lässt sich also kaum Umsatz erzielen. Außerdem haben derartige Projekte häufig hohe Kosten, die es erstmal zu decken gilt.
Bitte nicht falsch verstehen: Natürlich gibt es große Web 2.0 Projekte, die wahre Goldgruben sind. Aber das sind wenige und die basieren in der Regel auf wirklich neuen Ideen und haben eine innovative Technik.
Dazu kommen noch Rechtliche Probleme: Grundsätzlich bist erstmal DU für den Inhalt verantwortlich, den deine Mitmach-User auf deiner Seite verzapfen. Also musst du entweder alles laufend Kontrollieren und Zensieren (= viel Aufwand), oder du besorgst dir ein paar wirklich gute Anwälte (= viel Teuer).

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